Äpfel: Zimtrenette

Synonyme
Schäferrenette, Schafsrenette, Pelzrenette
Häufigkeit
4
weitere Merkmale
Kelchblätter am Grunde getrennt, lang, aufrecht, Kelchhöhle breit und tief, (?) Kernhauswände ohrenförmig, glatt, Achse geschlossen, Kerne meist zu zweit, vollständig, mittelgroß
Fruchteigenschaften, außen
mittelgroß, abgeflacht rundlich, Kelch offen, Kelchgrube tief, meist glatt (?), Stiel kurz bis mittellang, Stielgrube tief, grün, schwach berostet, Schale rau (?), Grundfarbe grüngelb, fast vollständig zimtbraun berostet (etwas rote Deckfarbe?), kein Duft (gering?)
Fruchteigenschaften, innen
Fruchfleisch grünlichgelb, fein, mürbe, saftig, kräftiges zimtartiges Aroma, süßsäuerlich
Genussreife Beginn
Dezember
Haltbarkeit Ende
April
Reifeverhalten, Ernte, Lager
welkt merklich
Verwendung
vielseitig verwendbar
Ertragsverhalten
früh, hoch, regelmäßig
Großklima
anspruchslos
Bodenverhältnisse
gute Böden
Krankheiten, Schädlinge
Fruchtrisse möglich
Blühverhalten
unempfindlich
Blütezeit
mittel
Anbauform, Schnitt, Pflege
verschiedene Unterlagen möglich, wegen hoher Fruchtbarkeit Pflege erforderlich
TestInfo
Engelbrecht: identisch mit 'Tiroler Spitzlederer'?
Ursprung, Züchter, Verbreitung
Koloc gibt als vermutliche Herkunft Sachsen an / die Sortenbeschreibungen Engelbrecht und Koloc stimmen nicht ganz überein

Merkmale

Fruchtform-Typ
so breit wie hoch, breit
Grundfarbe-Typ
grün-gelbgrün
Deckfarben-Anteil Typ
berosteter Apfel
Reifezeit Typ
Winterapfel
Fruchtgröße Typ
mittelgroß, klein

Literatur

  1. Gesellschaft für Pomologie und Obstsortenerhaltung Bayern: Apfel- und Birnensorten Europas, Obst- und Gartenbau-Verlag, München 2007
  2. Engebrecht, Th.: Deutschlands Apfelsorten - Illustrierte, systematische Darstellung der im Gebiete des Deutschen Pomologen-Vereins gebaueten Apfelsorten, Braunschweig, Vieweg und Sohn 1889
  3. Obstatlas der Russischen Kolonie Alexandrowka in Potsdam - Ein pomologischer Führer 2012
  4. Koloc, Rudolf: Wir zeigen weitere Apfelsorten und werten deren Eigenschaften, Neumann Verlag, Radebeul 1969

Diskussion

Felix W.am 21.12.2019 um 05:49
Was mir zur Zimtrenette auffällt:

1) Gesichertes Wissen zur Zimtrenette (einer Graurenette im Sortenschema von Diel-Lucas) war jedenfalls in deutscher Sprache zu allen Zeiten kaum vorhanden!

2) Der Tiroler Spitzlederer hat anscheinend eine Verbreitungsgrenze nördlich von Südtirol bzw. südlich der Alpen, die er in den über 100 Jahren seiner Existenz nie wirklich überschritten hat. Daher wäre zunächst zu klären, warum diese Verbreitungsgrenze besteht.
In meinen Augen handelt es sich um eine Lokalsorte der Graurenetten, wie sie an den milderen Apfel-Hotspots der Alpen-Umgebung häufiger vorkommen (Schweizer/Baseler Lokalsorten und der Carpentin sind weitere Beispiele).

3) Für den Spalieranbau empfiehlt die Zimtrenette - als einzige Graurenette neben dem legendären Fenchelapfel - das Standardwerk des Obstschnitts und Kleinform-Obstanbaus der 1840er bis 1880er Jahre, das französisch-deutsche Werk Hardy/Jäger (Der Obstbaumschnitt, 2. Auflage, 1860, Seite 197; Autor Julien Alexandre Hardy: jardinier en chef du jardin du Luxembourg de 1817 à 1859; Hardys Werk erschien auf französisch erstmals 1841). (Mir geht es hierbei um die Empfehlung der Zimtrenette - als eine übliche Praxis im Spalierbau Frankreichs vor 1850; natürlich wissen wir aus der späteren Literatur, dass sich auch andere Graurenetten für Kleinformen eignen.)

4) Im Internet zugängliche Beschreibungen historischer Pomologen (vor allem die Erstbeschreibung von Diel hat großen Einfluß):
-- Diel, Adrian - Kernobstsorten (1816), Bd. 20 (=Äpfel-Heft 12), S. 165-170 [= Erstbeschreibung]
https://api.digitale-sammlungen.de/iiif/presentation/v2/bsb10294822/canvas/199/view
http://gartentexte-digital.ub.tu-berlin.de/pomologie/A__Diel_Kernobstsorten/body_a__diel_kernobstsorten.html
-- Aehrenthal Lexa - Kernobstsorten (1837), Bd. 2, Tafel 69 [= schönes Bild der Frucht], S. 172f.
http://gartentexte-digital.ub.tu-berlin.de/pomologie/Lexa__Deutschl__Kernobstsorten/body_lexa__deutschl__kernobstsorten.html
-- Engelbrecht, Theodor - Apfelsorten (1889), S. 618 [= oben bereits erwähnt]
http://www.obstsortendatenbank.de/osdb/eng/zimtrenette_eng.pdf
Felix W.am 21.12.2019 um 01:44
Stimmt das: "Engelbrecht: identisch mit 'Tiroler Spitzlederer'?"

Gegenfrage: Wo soll Theodor Engelbrecht das geschrieben haben?
-- Zur Zimtrenette schrieb er es nicht -> http://www.obstsortendatenbank.de/osdb/eng/zimtrenette_eng.pdf
-- zum Tiroler Spitzlederer auch nicht -> http://www.obstsortendatenbank.de/tiroler_spitzlederer.htm
-- und auch nicht zum Sommerzimtapfel -> http://www.obstsortendatenbank.de/sommerzimtapfel.htm

Dass Engelbrecht derartige Spekulationen geäußert hätte, wäre für ihn ungewöhnlich. Ich glaube nicht, dass er sich so geäußert hat. Seine Bedeutung und Aufgabe waren die exakten Fruchtbeschreibungen.

Aber die Behauptung, wie sie im obstgarten.biz beim Googeln aufzuschnappen ist, wird schnell ungeprüft zur Spekulation, gerade wenn es um Lederäpfel geht (z. B. hier: https://forum.garten-pur.de/index.php/topic,58188.msg2607144.html#msg2607144).


Arche Noahs Obstsortenblatt zum Tiroler Spitzlederer (verfasst von Roland Gaber) deutet vage an: "Nach einigen Pomologen ist die Sorte ident[isch] mit der Zimtrenette" - ohne einen Pomologen namentlich zu nennen (https://www.arche-noah.at/files/tiroler_spitzlederer_beschreibung_und_foto.pdf).

Selbstverständlich bezieht sich Arche Noahs Obstsortenblatt auf Engelbrecht als Quelle des Tiroler Spitzlederers, und fügt hinzu, "(die abgebildeten Früchte sowie die Beschreibung stimmen jedoch nicht mit den hier beschriebenen überein!)".
Das heißt, dass Engelbrecht wahrscheinlich eine andere Frucht beschrieben hat, als jene, die heute in Österreich als Tiroler Spitzlederer gilt.

Damit macht der versierte Sortenbeschreiber (Roland Gaber von Arche Noah) einmal mehr deutlich, auf wie unsicherer Grundlage wir uns bei diesen Sorten befinden. Da diese Grundlagen erst noch zu erarbeiten sind, verbieten sich vorschnelle Aussagen über eine angebliche Identität der Sorten, zumal bei Lederäpfeln.